Ludwig Zehetner - der Dialektpapst der Oberpfalz

Sein Name wird meist im gleichen Atemzug genannt mit den Begriffen "Dialektpapst" oder "Dialektexperte": Ludwig Zehetner ist Honorarprofessor für bairische Dialektologie und wohl der kompetenteste Ansprechpartner, wenn es um das Thema Mundart geht. Er sagt: Dialektsprechen kann die Intelligenz fördern.

Seit gut 50 Jahren lebt Ludwig Zehetner im Landkreis Regensburg. Vielen ist sein Name ein Begriff. Kein Wunder. Denn Zehetner ist ein gefragter Experte auf seinem Gebiet. In der Mittelbayerischen Zeitung erklärt er Lesern regelmäßig die Bedeutung und Herkunft von Dialektwörtern, wenn er nicht gerade für das Turmtheaterstück "Mei Fähr Lady" auf der Bühne steht und die Rolle seines Lebens - nämlich sich selbst - verkörpert.

Das besondere Interesse für Mundart wurde bei Zehetner früh geweckt. Bereits mit 16 Jahren verfasste er gemeinsam mit seinem Vater eine erste Liste in erfundener Lautschrift, die alle Dialektwörter aufwies, die es in der Hochsprache nicht zu geben schien. Eine Stelle am Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen verschlug ihn schließlich in die Oberpfalz. Seitdem fühlt er sich mit der Region eng verbunden und ist jederzeit bereit eine Lanze für das Oberpfälzische brechen.

Regensburg ist eine Sprachinsel

Dass Dialekt eben nicht nur Dialekt ist, merkt man schnell, wenn man mit Ludwig Zehetner ins Gespräch kommt und mit ihm über verschiedene sprachliche Aspekte fachsimpelt. Wusstest Du zum Beispiel, dass Regensburg eine Art Sprachinsel bildet, in der nicht Oberpfälzisch gesprochen wird, sondern Regensburgisches Bairisch?

"Regensburg war in der Zeit der Gegenreformation als protestantische Reichsstadt der erste Anlaufpunkt für all diejenigen, die des protestantischen Glaubens wegen ihre Heimat verlassen mussten. Es gibt aus dem Jahr 1689 eine Wörterliste, das sogenannte "Glossarium Bavaricum" von Johann Ludwig Prasch. In diesem Wörterverzeichnis ist kein einziges Wort zu finden, das auf einen gestürzten Diphthong schließen lässt (wie in 'Fouß, Fäiss' für 'Fuß, Füße'). Das ist ein Beweis dafür, dass sich Regensburg bereits im 17. Jahrhundert aus der Oberpfalz sprachlich ausgeklinkt hatte. Die Hauptstadt der Oberpfalz müsste eigentlich Amberg sein - von der Lage und vom Dialekt her."

Generell empfiehlt Zehetner, wann immer es geht, auf Dialekt zurückzugreifen, und ergänzt das Bekenntnis des früheren Kultusminister Siegfried Schneider "Mundart ist kein Manko, Mundart ist eine Bereicherung" um den Zusatz "Bemitleidenswert sind die, die nur einsträngig Standardsprache sprechen. Hirnforscher haben herausgefunden, dass sich bei Menschen, die bilingual aufwachsen, die Intelligenz höher entwickelt. Bestimmte Synapsen im Gehirn werden dadurch besser miteinander verknüpft - und mit Dialekt und Hochsprache sind wir schließlich schon bei 1,5 Sprachen", erklärt er augenzwinkernd.

Der gebürtige Freisinger Zehetner ertappt sich immer öfter dabei, dass er sprachlich ins Oberpfälzische hineingleitet. Auch als Heimat hat er die Oberpfalz und viele Orte hier liebgewonnen. Besonders gerne ist er Richtung Cham unterwegs, wegen der "offenen Landschaft", schwärmt er.