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Bilder von verlorenen Handschuhen motivierten den Fotografen Florian Hammerich zur Nutzung von Instagram.

Domspitzen und verlorene Handschuhe: Instagram-Aktion sucht den typischen Regensburger Tag

Lautes Stimmengewirr, die Tische vor den Cafés besetzt und südländisch anmutendes Flair: Regensburg macht seinem Ruf als nördlichste Stadt Italiens alle Ehre, als ich mich in der Unteren Bachgasse mit Florian Hammerich treffe. Florian ist Fotograf und Kurator der Instagram-Aktion "Regensburg24", die mein Interesse als Hobbyknipser geweckt hat.


Noch bevor ich meine Notizen mit den üblichen Standardfragen aus meiner Tasche gekramt habe, befinden wir uns im schönsten Gespräch – über Philosophie und Bildästhetik im Allgemeinen und über die veränderte Wahrnehmung von Fotos durch Social Media und Smartphones im Besonderen.


Dieses Selbstporträt ziert die Website von Florian Hammerich.

Florian Hammerich - Selbstporträt beim Friseur

Wie kommen Kunst und soziale Netzwerke zusammen?


Die Frage, was Kunst ist, verändere sich durch die Plattformen wie Instagram massiv, erzählt mir Florian. Er macht das am Beispiel des US-amerikanischen Fotokünstlers Richard Prince deutlich. Der hatte Bilder anderer Instagram-Nutzer abfotografiert und als eigene Kunstwerke für etwa 90.000 US-Dollar pro Stück verkauft, ohne die Urheber zu beteiligen.

Für Florian gab es trotzdem einen Aha-Moment, der ihn dazu bewegte, Instagram zu nutzen und sich an "Regensburg24" zu beteiligen. Seit Jahren fotografiert er verlorene Handschuhe, seine Sammlung ist mittlerweile auf beeindruckende 400 Fotos gewachsen. "Auf Instagram bin ich dann auf den Hashtag #lostgloveproject gestoßen", erzählt er freudig. "Darunter posten Nutzer aus der ganzen Welt Bilder von verlorenen Handschuhen und ich kann mich ganz einfach mit ihnen vernetzen."


Eva Karl und Florian Hammerich sind die Kuratoren der Instagram-Aktion "Regensburg24"

Die Regensburg24-Kuratoren Eva Faltermeier und Florian Hammerich.

Jeder kann mitmachen


Florian (florianhammerich.com, Instagram: florian_hammerich) ist Profifotograf und ist die eine Hälfte des Kuratorenduos von "Regensburg24". Die andere Hälfte heißt Eva Faltermeier (Instagram: yvesexplosif) und ist hauptberuflich Social-Media-Referentin. Was die beiden mit der Aktion bewirken wollen? Den Alltag der Regensburger beleuchten und die besten Bilder in einer Ausstellung im Rahmen des Popkulturfestivals "Push2" zeigen. Jeder Fotograf und Instagram-Nutzer kann dabei mitmachen und die entsprechenden Hashtags nutzen, die Ausstellung soll ein möglichst vielfältiges Bild der Stadt zeigen. 


"Fotografiert eine Studentin also um 15.30 Uhr ihren Bücherberg an der Uni für Instagram, dann könnte sie ihn mit #RGB15Uhr vertaggen. Die stillende Mama postet um 4.57 Uhr eine Baby-Hand? Dann sollte sie den Hashtag #RGB4Uhr nutzen. Und natürlich muss das Profil aller Teilnehmer öffentlich sein."

Eva Faltermeier

Synchrone Betrachtungsweisen und die Kunst des Weglassens


"Kuratieren ist Pflegen", erzählt Florian und nach einer guten halben Stunde mit sehr interessanten Diskussionen kommt nun endlich auch mein Notizblock mit den Fragen zum Einsatz. Der gebürtige Baden-Württemberger erzählt mir, dass er der Liebe wegen nach Regensburg gekommen ist und wirkt nicht so, als ob er den Umzug in die Hauptstadt der Oberpfalz bereuen würde. Seine Ausbildung als Kommunikationsdesigner hat er an der HAW Würzburg gemacht und seine Fotos finden sich unter anderem auch auf unserer Website.

Das mit dem Pflegen nimmt der Fotograf, der sich als strukturiert arbeitenden und fokussierten Menschen beschreibt, ernst und hofft auf viele gute Bilder für die Ausstellung. Ich selbst bin Amateurfotograf, der durch die Aktion wieder mehr zur Kamera greifen will, und freue mich daher über seine Tipps. "Jedes Bild soll eine Geschichte erzählen. Es kommt aber darauf an, sie schlüssig und vor allem im richtigen Ton zu erzählen. Du erzählst mir ja auch keine lustige Begebenheit und schreist mich dabei an", gibt mir Florian mit auf den Weg. Inhalt und Look müssen also zusammenpassen. Außerdem outet er sich als Fan von Foto-Bauernregeln wie "Sonne lacht – Blende acht".


Florians Fototipps


  • Erst denken - dann auslösen.
  • Genau hinschauen.
  • Überflüssiges weglassen.
  • Frei nach Robert Capa: Ist das Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran.
  • Wenn möglich eine gute Kamera benutzen und das Foto nachbearbeiten.
  • Foto-Bauernregeln beachten.


Auch für Bilderserien sind die Hashtags geeignet, wenn sie eine bestimmte Idee verfolgen. "Ich fände es zum Beispiel witzig, wenn jemand Bilder aus verschiedenen Teilen der Altstadt postet, auf denen immer in der Ecke die Domspitzen zu sehen sind", schlägt mir Florian vor. Er selber fotografiert übrigens gar nicht so gerne in der Stadt. Einer seiner Lieblingsorte ist das Otterbachtal, das im Landkreis Regensburg, genauer in den ersten Ausläufern des Bayerischen Waldes, liegt. Bilder, die um Regensburg herum aufgenommen wurden, können auch am Wettbewerb teilnehmen.


Stühle im Wartezimmer: der erste Beitrag von Christoph Aschenbrenner zur Instagram-Aktion "Regensburg24"

Mein erster Beitrag: Ein Foto aus einem Regensburger Wartezimmer mit dem Hashtag #rgb14uhr


Bis zum 1. September haben Regensburgs Instagramer Zeit, sich mit der Nutzung der Hashtags für die Ausstellung zu bewerben. Diese wird bei "Push2", dem Regensburger Popkulturfestival 2016, vom 28. bis zum 30. Oktober im Andreasstadel gezeigt. Die besten zehn Bilder werden für die Ausstellung auf 30 mal 30 Zentimeter ausbelichtet, weitere zehn in der Größe 20 mal 20. Außerdem soll es eine Collage mit etwa sechshundert kleineren Fotos geben, die zeitlich zusammengefasst werden. "Wir wollen einen typischen Regensburger Tag als Wandinstallation zeigen. Das nennt man in der Fachsprache synchrone Betrachtungsweise", erklärt mir Florian.

Nachdem ich die Pressemitteilung über die Aktion im Postfach hatte, war ich auf jeden Fall schon angefixt. Die Begeisterung, mit der mir Florian von dem Projekt erzählt, hat mich dann endgültig überzeugt. Ich werde mitmachen und habe mit dem Foto eines Regensburger Wartezimmers auch schon ein Bild ins Rennen geschickt. Schon lange wurmt es mich, dass ich nicht genügend Zeit zum Fotografieren finde. Kein Wunder, zwischen Arbeit, Kindern, Band, Freunden und Sport bleiben nicht mehr allzu viele Lücken. Ich habe mir aber fest vorgenommen, zumindest bis zum Ende von "Regensburg24" die Knipse wieder öfter auszupacken. Vielleicht würde es mir auch helfen, mich bei Aktionen wie dem Regensburger Fotomarathon oder den Ausflügen der Facebook-Gruppe On Tour Regensburg zu beteiligen. Wenn also jemand in den nächsten Wochen einen Regensburg24-Instawalk starten würde – ich wäre dabei.

 

Bilder: Florian Hammerich, lineupmedia.de, Christoph Aschenbrenner

Text: Christoph Aschenbrenner


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