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Lukas Höllerer ist immer auf der Suche nach kulturellen Highlights für die Oberpfalz: Ob auf dem Schafferhof, beim sündikat in Weiden oder mit seiner Band William's Orbit.

Der Kultursucher: Lukas Höllerer und der Schafferhof

Als wir auf dem Schafferhof in Neuhaus parken, streckt Lukas Höllerer schon den Kopf aus dem Fenster der Kulturscheune und winkt uns herein. Der 24-Jährige steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für ein Konzert – das erste, das er als Booker in Neuhaus selbst organisiert hat. Gleichzeitig macht er an diesem Abend die Tontechnik. Klar, dass er da "ein bisschen unter Strom" steht, wie er zugibt. Wir durften ihn durch seinen Arbeitstag begleiten und uns nebenbei mit ihm über seine Suche nach Kultur und Musik unterhalten.

"Es ist eine Mischung aus Unvernunft und der Liebe zu dem, was man präsentiert."

Lukas Höllerer auf die Frage, was ihn antreibt.

Sechs Schweden mit Zapfhahn


Um 15 Uhr rollt die Band an: Die sechs Schweden von Grapell sind sofort begeistert von der Location. "Auf ihrer Deutschland-Tour spielen die in Köln, München und Berlin – der Schafferhof tanzt da schon ein wenig aus der Reihe", sagt Lukas grinsend. Da er mit seiner eigenen Band William's Orbit auch viel unterwegs ist – "letztes Jahr dürften es so um die 35 Konzerte gewesen sein" – weiß er, wie wichtig ein guter Gastgeber ist.

Deswegen wird den Jungs erst einmal Suppe serviert. Und Zoigl natürlich. "This is our traditional beer – it’s home-brewed", erklärt der Rotschopf seinen schwedischen Gästen. Denen schmeckt's. Lukas ist zufrieden: "Jetzt lassen wir die sechs mit dem Zapfhahn alleine und kümmern uns weiter um die Technik."


Für den Schafferhof hat Lukas Höllerer ein hochkarätiges Programm zusammengestellt. Immer unter der Prämisse: Es muss zur Location passen.

"Saumäßig viel Spaß"


Gerade kämpft er mit den Effekten, aber nach zwei Telefonaten und ein bisschen Herumprobieren bekommt er auch dieses Problem in den Griff. Das Mischpult zu bedienen, hat er eher nebenbei gelernt: "Mit dem Kulturverein das sündikat veranstalten wir ja schon seit einigen Jahren Konzerte. Ich habe versucht, so viel wie möglich aufzuschnappen", sagt er, denn es mache "saumäßig viel Spaß".



Mit der eigenen Band William's Orbit, im Kulturverein sündikat, als Booker auf dem Schafferhof, früher auch noch als Schauspieler im Landestheater Oberpfalz – Lukas Höllerer mischt in der Kulturszene der Oberpfalz ordentlich mit. Dabei ist er immer auf der Suche nach dem nächsten guten Act. Das kulturelle Interesse wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. "Ich hatte da gar keine so große Wahl. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die ganz viel Theater gespielt hat. Mein Papa hat damals die Burgfestspiele Leuchtenberg mit ins Leben gerufen und so war es fast mein Schicksal, dass wir ab dem Grundschulalter immer auf, hinter und um die Bühne herum anzutreffen waren."

Was ihn antreibt? "Das ist die Frage, die man sich im Moment des Chaos immer selbst stellt", lacht er. Vermutlich sei es eine Mischung aus Unvernunft und der Liebe zur Musik. "Ich weiß nicht warum, aber, wenn ich eine Idee habe, dann will ich die auch umsetzen. Auch wenn’s am Anfang etwas holprig läuft, mit der Zeit wird es immer besser."


Das Schafferhof-Experiment


Dass er das Talent hat, coole Events auf die Beine zu stellen, brachte schließlich auch Schafferhof-Betreiber Reinhard Fütterer auf die Idee, Lukas als Booker zu engagieren. "Ich kenne den Schafferhof durch meine Familie schon, seit ich ein kleiner Bub bin. Das erste Mal selbst Musik gemacht habe ich hier mit 14 mit einer Jazzband. Da kann eins zum anderen und ich konnte natürlich nicht nein sagen."

Ziel sei es, auch ein neues, jüngeres Publikum anzusprechen und gleichzeitig das Generationendenken aufzubrechen. "Unsere Konzerte funktionieren für 5-Jährige genauso wie für 65-Jährige", sagt er, während er zwischen den Kabeln und Instrumenten hin und her klettert und die Bühnenausrüstung der Schweden fit für das Konzert macht. Gerade jetzt in der Anfangsphase gehe es viel ums Experimentieren. "Ich habe von Reinhard Fütterer viele Freiheiten bekommen, zum Beispiel was die Auswahl von Acts betrifft. Ich versuche, das Publikum mit guter Qualität zu überzeugen und Künstler zu finden, die zum Schafferhof passen."

Eines seiner persönlichen Highlights im Jahresprogramm ist der Auftritt von Herrn Polaris aus Augsburg: "Der macht einfach wunderbar intime Musik, was, wie ich finde, auch sehr gut auf dem Schafferhof funktioniert. Viele kennen es, dass hier viel getanzt wird und es stickig und laut wird – das wird unter anderem am 24. Februar passieren, wenn Impala Ray kommen, da wird's abgehen", ist sich Lukas sicher.



Inzwischen sind die Jungs von Grapell zurück vom Check-in im Hotel und beginnen den Soundcheck, den Lukas ganz professionell durchführt. "Wonderful! Perfect!", loben ihn die Schweden. Und dann geht alles ganz schnell. Um 19 Uhr öffnen sich die Türen der Scheune. Der Raum füllt sich bis auf den letzten Platz. Lukas stellt sich dem Publikum vor, "weil man das als junger Bub so macht, das haben mir meine Eltern beigebracht." Die Zuschauer schmunzeln – schon hat er sie auf seiner Seite. Dann begrüßen auch Grapell ihre Gäste: "When we came her, it felt like a dream. We really like it", erzählt Sänger Emil Erstrand.

Dem Publikum gefällt, was Lukas ausgesucht hat. Doch darauf wird er sich natürlich nicht ausruhen. Was sein größter Traum wäre? "Wenn ich einmal Sophie Hunger in die Oberpfalz holen kann, dann bin ich ein sehr zufriedener Mensch." Wir sind uns ziemlich sicher, dass er das schaffen wird. Und, dass er auch dann weiter auf der Suche bleibt nach dem nächsten Act für die Oberpfalz.


Die Band Grapell aus Schweden rockt Lukas Höllerers erste Veranstaltung auf dem Schafferhof.

Lukas' Kultur- und Kreativprojekte:


das sündikat e. V.: Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Verbrecherkartell. Ganz im Gegenteil. Beim "sündikat" aus Weiden steht die Liebe im Vordergrund. Die Liebe zur Heimatstadt. Die Liebe zur Musik, zu Kultur und Spaß. Die 15 Jungs organisieren Konzerte und Partys in und um Weiden in der Oberpfalz. Und das mit durchschlagendem Erfolg. Mehr zum sündikat >

Goldene Hölle: Unter diesem Namen arbeitet Lukas als Mediengestalter im Grafik- und Programmierbereich. "Ich saß am Gewerbeamt und hab meine Selbständigkeit angemeldet. Und dann fragte mich ein Bilderbuchbürokrat, ob ich für mein Gewerbe auch einen Firmennamen eintragen möchte. Da ist mir spontan die Goldene Hölle eingefallen."

Schafferhof: Seit der diesjährigen Saison gestaltet Lukas das Programm des Schafferhofs mit. Damit soll er vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen, aber gleichzeitig der Linie des Veranstaltungsortes treu bleiben. Die Zuschauer können sich auf Konzerte von Impala Ray, Herrn Polaris, Sven van Thom oder Folkshilfe freuen. Zum Schafferhof-Programm >

Strompost Kollektiv: "Im vergangenen Jahr durfte ich ein weiteres musikalisches Projekt zusammen mit meinen alten Schulfreunden umsetzen: Mit dem Strompost Kollektiv durften wir eine Interpretation von Max Reger machen und die Songs mit unserer eigenen Stilistik umsetzen. Das möchte ich in diesem Jahr auch noch weiter vorantreiben", so Lukas. Das Strompost Kollektiv auf Facebook > 

William's Orbit: Die Weidener Indie-Band war in den letzten Jahren über die Region hinaus erfolgreich, hat ein Album herausgebracht und eine erste eigene Deutschland-Tour gespielt. "William's Orbit sind fünf Jungs, die alle rund um Weiden wohnen. Ich bin 2012 dazugestoßen, da gab's die Band schon. Gerade haben wir eine Orientierungsphase, was die Musik betrifft und wie es weitergeht", erklärt uns Lukas. Zur Website von William's Orbit >

 

Fotos: Christoph Aschenbrenner
Text und Audio: Katharina Ziegler


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